Warum dein Puls im Sommer höher ist - und das gut so ist!

Veröffentlicht am 22. Mai 2026 um 11:05

Sommer. Du läufst dieselbe Runde wie immer, im selben Tempo, mit denselben Schuhen. Und trotzdem ist alles anders: Dein Atem geht schneller, dein Puls liegt deutlich höher als gewohnt, deine Beine fühlen sich schwer an. Im ersten Moment denkst du: „Ich werde unfit." Aber das stimmt nicht. Dein Körper macht genau das, was er machen soll – er regelt mit Hochdruck deine Kerntemperatur.

Was im Körper bei Hitze passiert

Sobald die Außentemperatur über 25 Grad steigt – und erst recht beim Sport – muss dein Körper aktiv kühlen. Dafür hat er einen genialen Mechanismus: Er pumpt mehr Blut in die Haut. Die feinen Blutgefäße direkt unter der Hautoberfläche weiten sich, das warme Blut gibt seine Wärme an die Umgebung ab, du beginnst zu schwitzen, die Verdunstung kühlt zusätzlich.

 Das Problem dabei: Das Blut, das in die Haut wandert, fehlt in den Muskeln. Damit deine Muskeln trotzdem genug Sauerstoff bekommen, muss das Herz schneller schlagen – es zirkuliert pro Minute mehr Blut. Das ist der Grund, warum dein Puls bei gleicher Belastung im Sommer 10 bis 20 Schläge höher liegt als im Frühling. Dein Körper macht im Hintergrund zwei Vollzeitjobs gleichzeitig: Sport und Klimaanlage.

Ein höherer Puls bei Hitze ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von kluger Anpassung. Dein Herz arbeitet mehr, damit deine Haut kühlen kann.

 Was bei Schwitzen noch verloren geht

Schwitzen ist nicht einfach „Wasserverlust". Mit jedem Schweißtropfen verlierst du auch Mineralien – allen voran Natrium (ca. 1 g pro Liter Schweiß), aber auch Kalium, Magnesium und etwas Kalzium. Bei intensivem Sport bei 30 Grad können das schnell 1,5 Liter Schweiß pro Stunde werden – inklusive 2 bis 3 Gramm Salz.

Diese Mineralien sind nicht nur Beilage. Sie sind die Stromleiter deines Nervensystems. Ohne Natrium und Kalium können Muskeln nicht richtig kontrahieren, ohne Magnesium nicht richtig entspannen. Wenn nach dem Sport plötzlich die Wade krampft oder du nachts mit Wadenkrämpfen aufwachst, ist das selten ein Trainingsfehler – es ist ein Elektrolytmangel.

▸ FAUSTREGEL FÜR HITZE-TAGE

30–40 ml pro kg Körpergewicht täglich, gerne mit einer Prise gutem Steinsalz im Morgenwasser. Bei Trainingseinheiten über 60 Minuten zusätzlich Elektrolyte.

 So trainierst du klug bei Hitze

Im Sommer trainierst du nicht weniger – du trainierst anders. Wer das versteht, kommt mit mehr Kraft, weniger Verletzungen und stabilerem Kreislauf in den Herbst.

1. DIE RICHTIGE TAGESZEIT WÄHLEN

Trainiere früh am Morgen (vor 9 Uhr) oder am späten Abend (nach 19 Uhr). Die Mittagshitze von 11 bis 15 Uhr ist auch für gut trainierte Menschen eine Belastung. Frühmorgendliches Training hat zusätzlich den Vorteil, dass dein Stoffwechsel den ganzen Tag aktiver bleibt.

2. TEMPO BEWUSST HERUNTERNEHMEN

Reduziere die Intensität um etwa ein Viertel. Was sich bei 18 Grad wie ein lockerer Lauf anfühlt, ist bei 32 Grad ein mittlerer Reiz. Wenn du sonst 6 km/h läufst, sind 4,5–5 km/h bei Hitze das gleiche Trainingsäquivalent. Wenn dein Puls trotz langsamerem Tempo höher liegt: alles in Ordnung. Nicht dagegen ankämpfen

3. VOR DEM TRAINING TRINKEN – NICHT ERST WÄHREND

30 Minuten vor dem Training: 500 ml lauwarmes Wasser mit einer Prise Steinsalz und einem Spritzer Zitrone. Das füllt deine Elektrolytspeicher auf, bevor du sie ausschwitzt. Während des Trainings dann alle 15–20 Minuten ein paar Schluck nachtrinken.

4. KLEIDUNG, DIE MITDENKT

Helle, weite Kleidung aus Naturfasern (Leinen, dünne Baumwolle, Merino). Dunkle, eng anliegende Funktionswäsche aus Polyester staut die Wärme und lässt den Schweiß nicht verdunsten. Ein Hut mit Krempe und eine gute Sonnenbrille gehören im Sommer zur Trainingsausrüstung.

5. AUF WARNSIGNALE HÖREN

Brich das Training ab bei: plötzlich trockener Haut (kein Schweiß mehr trotz Anstrengung), Schwindel, Gänsehaut, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Tunnelblick. Das sind Anzeichen eines drohenden Hitzeschlags – und der ist ernst. Lieber heute aufhören und morgen wieder starten.

▸ WICHTIG

Sport in der prallen Mittagssonne ist keine „mentale Stärke" – es ist Überforderung deines Kreislaufs. Wer im Sommer dranbleibt, indem er klug umverlegt, baut mehr auf als jemand, der sich mit Willenskraft durchquält.

 Was deinem Körper nach dem Sport gut tut

Die Regeneration entscheidet darüber, ob du Fortschritte machst. Im Sommer ist sie noch wichtiger – weil dein Körper neben dem Trainingsreiz auch die Hitzebelastung verarbeiten muss

IN DEN ERSTEN 30 MINUTEN

• Erst auskühlen, dann duschen. Setz dich 5–10 Minuten in den Schatten, lass deinen Kreislauf herunterfahren. Keine eiskalten Duschen – die ziehen die Gefäße zusammen und der Körper heizt paradoxerweise wieder auf. Lauwarm ist ideal.

• Salz und Mineralien zuerst. Eine Handvoll Oliven, gesalzene Nüsse, eine Tomate mit etwas Salz oder ein Glas Wasser mit Prise Steinsalz und Zitrone.

• Beine 10 Minuten hochlegen. Idealerweise über Herzhöhe. Das entlastet den Kreislauf und beugt schweren Beinen am Abend vor.

IN DER ERSTEN STUNDE

• 20–30 g Protein für die Muskelregeneration: Lachs, Quark mit Nüssen, ein Omelett mit Gemüse, Linsen.

• Komplexe Kohlenhydrate zur Glykogen-Auffüllung: Kartoffeln, Hirse, Vollkornreis, Süßkartoffel.

• Wassergehalt-Lebensmittel für sanfte Hydration: Gurke, Wassermelone, Beeren.

AM ABEND

• Magnesium (300–400 mg) für tieferen Schlaf und entspannte Muskulatur – aus Mandeln, Kürbiskernen, Bitterschokolade oder als Supplement.

• Genug Schlaf (7–8 h). Im Tiefschlaf reguliert dein Körper Wasserhaushalt, Hormone und Muskelregeneration. Kühle Schlafzimmer (idealerweise unter 19 Grad) helfen.

 Mein Fazit

Ein höherer Puls im Sommer ist kein Grund zur Sorge – sondern ein Beweis dafür, wie klug dein Körper arbeitet. Wer das versteht, trainiert leichter, hört besser auf sich und kommt mit mehr Energie durch die heißesten Wochen des Jahres.

„Bewegung im Sommer ist nicht weniger wertvoll, weil sie langsamer ist. Sie ist anders wertvoll – ehrlicher, achtsamer, näher am Körper."

Wenn du mehr darüber wissen willst, wie du deine Ernährung optimal auf Sommerbewegung anpasst, schau in meinen 7-Tage-Sommer-Trainingsplan für Einsteiger – kostenfrei zum Download auf meiner Website.

Von Herzen, Sarina

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